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Lieber Herr Angerbauer! Mich würde interessieren wann und wodurch Sie auf die Idee kamen die Seiten des OÖ Telefonbuchs zu vergolden. Grüße aus Aachen, Karin K.  
  Vielen Dank für Ihr Interesse Frau Karin K. ! (Voller Name bekannt)  
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  Wann?    
  Am 22. April 1994  

Eröffnung der Gruppenausstellung "Wächter" (22.4.-26.06.1994)
im Kulturhof Weistrach, NÖ - der 270. Geburtstag von Immanuel Kant.
 
  Wodurch?    
  Durch den Kopfstand eines angeheiterten Vernissage Besuchers auf den Bildinhalten von - im Goldkontext - ermordeten Menschen.  
     

Kopfstand auf ermordeten Gold Opfern - Inspiration zur Goldenen Empore

22. April 1994


 
     
 Information     
  Idee und Konzept zu Ausstellungsthema "Wächter" im Kulturhof Weistrach, NÖ, vom 22.4. - 26.6.1994:

Ein Environment als Hommage zum Kategorischen Imperativ von Immanuel Kant im erweiterten Goldbegriff Kontext  - "Goldwächter"
 
     
  Der rückwärtige Raum (ehemaliger Schweinestall) des Kulturhofs wird linksseitig durch eine weisse Trennwand geteilt. Die Innenseite der Trennwand ist schwarz. Die Türleibung ist weiss. Der Boden des Raums ist schwarz ausgelegt. Die Fenster sind mit Einbauten verschlossen. Die Einbauten zeigen sich dem Eintretenden abgewand. In den Fensternischen befindet sich jeweils ein "Truggold" Wandobjekt. In der letzten Mauernische hängt ein Wandobjekt mit einem alten Kant Reclamheft.
Die aufgeschlagene Seite zeigt den Kategorischen Imperativ.
 
     
  1994 Kulturhof Weistrach - Wächter Rauminstallation Environment - Boden Gold Schwelle Foto: Walter Ebenhofer  
     
  Der Besucher betritt den Raum über eine goldene Bodenschwelle. Der Weg führt über eine Erdbeschüttung gerade weiter und biegt im rechten Winkel ab zu einer Mauernische, in der linken Raumwand.
Die Beschüttung besteht aus "Pforzheimer Goldhumus".
 
     
  Die Goldschwelle ist dreiteilig.
Sie besteht aus Dreischicht Holzplatten und ist mit laminierten Fotokopien affichiert die zur Gänze mit 23-karätigen "Dukaten Doppel Gold" blattvergoldet sind. Unter dem Gold befinden sich als Bildinhalte eine Kindergruppe in einem KZ Vernichtungslager  - im Ge/denken an Opfergold-Raubgold-Nazigold - und ein ermordeteter, nackter Goldsucher - im Ge/denken an die von Goldsuchern ermordeten Yanomami Indos - wie (m)eine vergoldete Handfläche als Korrelation zum Projekt Erdkraft G.U.T.Kraft am 11.9.1993 in Steyr.
 
  Ich sehe und fühle diese Bildinhalte als Kinder auf dem Weg in das tödliche Gas der Henker des Nationalsozialismus und den nackten Leichnam als einen von Goldsuchern ermordeten Yanomami Indio.  
     
  Durch das Begehen der Goldfläche wird sich das Gold wieder mit der Erde - dem Goldhumus - verbinden, wird auf den Schuhsohlen wieder hinaus in die Natur getragen. Die Fotokopien werden sich lösen, die Bildinhalte aufbäumen. Erosion, Auflösung, Transformation, Reinigung - Katharsis...  
  Diese goldene "Wächter" Schwelle empfinde und sehe ich als meine erste Bodengold Arbeit. Anm.: Für mein Environment, ein Jahr zuvor, mit einer "Goldschleuse" in der Hausgalerie des Wiener Künstlerhauses, wurde mir die goldene Ehrenmedaille verliehen.  
  Die Goldschwelle wird nach Ende des Ausstellungsprojekts als Wandobjekt aufgerichtet und in weiteren Ausstellungen präsentiert.  
     
Wächter Gold Schwelle - Johannes Angerbauer 1994
     
  Die farbigen Wandobjekte in den Nischen zeigen im Zentrum jeweils ein übermaltes Fläschchen. In diesen Behältnissen befinden sich 500g reinstes Quecksilber (!). Fläschchen und Wandobjekte erscheinen in den Farben Gelb, Rosa und Grau. So wie den kleinen Fläschchen eine inhaltliche Täuschung inneliegt, so täuscht auch die farbige Erscheinung der Wandobjekte. Es ist keine Farbe! Es ist vielmehr ein Vergoldergrund! Produktbezeichnung: "Kölner Glanz Gold Grund". Rosa steht für einen warmen Glanz des Goldes, Gelb wird für Vertiefungen und einen kühleren Glanz des Goldes verwendet. Grau, wie auch Blau, wird für Versilberung verwendet und lässt das Gold in kaltem Glanz erscheinen.  
  Das wahre Gold erscheint dadurch erst in der Phantasie des Rezipienten. Visuelles Gold kann blenden...  
  Quecksilber wird bis Heute bei der Goldgewinnung an der Ressource verwendet. Mensch und Natur werden vergiftet...  
     

     
  Als der, mir wohlbekannte, "Vernissage Besucher" seinen belustigten Kopfstand aufführte (Foto: Andreas Steiner), dies ereignete sich kurz nachdem ich ihm die - noch unsichtbaren - Bildinhalte unter dem Gold erklärt hatte und er mit der Antwort "Na und, eh egal" reagierte, fühlte ich massiv einen lautlos/schrillen Aufschrei der gedemütigten Opfer und fuhr, emotional stark bewegt, umgehend von der Vernissage nach Hause.  
  Dieser Kopfstand eines feuchtfröhlichen Besuchers, als Ausdruck des "Lustigmachens" über die Bildinhalte unter der Goldenen Schwelle, löste bereits bei der Heimfahrt die spontane Inspiration aus, den geschützen Kunstraum zu verlassen und die Arbeit am Goldbegriff weiter hinaus in den öffentlichen Raum zu tragen - direkter zu den Menschen zu bringen.  
     
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  Materialien und Links: in Arbeit  
     
  Rüdiger Nehberg - Letzte Jagd - Ermordeter Goldsucher (Yanomami Indio)  
  Rüdiger Nehberg und ein ermordeter Goldsucher - für mich ein Yanomami Indio.
Aus dem Buch "Die Letzte Jagd", 1989  ISBN 3-8225-0121-2
"Die programmierte Ausrottung der Yanomami- Indianer und die Vernichtung des Regenwaldes"
 
     




     

 

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