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  Hallo Herr Angerbauer. Interessant die Entwicklung eines Kunstprojekts auf diese Weise verfolgen zu können. Mich würde interessieren warum sie Anfangs Holzplatten verwenden wollten und dann im Design Center Sicherheitsglas verwendet haben, wie man auf Ihrer Homepage sehen kann. MfG Herr Harald
  Lieber Herr Harald! Danke für Ihr Interesse!
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Warum? Holzplatten und dann Sicherheitsglas?  
     
  Hier der weitere Einblick in (m)eine Kunstweg Entwicklung.
Etwas tiefer und weitreichender als ursprünglich geplant...
 
     
  Am Beginn meiner Arbeit standen die "Dreischicht" Holzplatten, als Bildträger der Bodeninstallationen. Dann kam St37 Eisen, danach Einscheiben Sicherheitsglas (ESG) - Seit dem "Gold Life Ball 2015" ist es antibakterielles, umweltfreundliches Linoleum - Jedes Material hat seine besondere Bedeutung im Gesamtkontext meines Werkzyklus.
(Anm.: Marginal kamen auch Aluminium und Acryl als Bildträger Materialien vor. Einmal auch "Tantalum" bei der int. "ArtAthina" Kunstmesse, 1999 - konzeptuell im Zentrum der Bodengold Installation "T.A.Tantalus". Alle Materialien ergaben/ergeben sich immer prozessorientiert und sind meist thematisch Projekt bezogen).
 
     
  Zu den Holzplatten:

Wie die Produktbezeichnung der Dreischicht Holzplatten bereits zeigt, geht es um Drei Schichten.
Das Dreigestirn Gold-Gelb-Geld, auch anders übersetzt in Element-Immateriell-Materiell oder Gold-Gott-Geld beschäftigte mich seit Anbeginn meiner Arbeit am polaren Goldbegriff. Unweigerlich kommt man in diese Regionen wenn man ernsthaft am Gold Thema arbeitet. Dies zeigt sich auch in meiner Wahl der Blattgold Qualität. Ich verwende schon seit jeher das 23-karätige Dukaten-Doppel-Gold zur Blattvergoldung meiner Objekte.
 
  1993 verwendete ich erstmals Dreischicht Holzplatten als Bildträger für die goldene Eingangssituation (187x400cm) in der Hausgalerie des Künstlerhaus Wien. Diese "Goldene Schleuse" war konzeptuell als inhaltlich täuschender Gold-Eingang gedacht. Sie war ein Weganfang der weiter über einen Weg aus Erde (Gold Humus) zu einer Böhler Stahlwerk Stechuhr und zur Schlußwand mit "zwei=drei" Objekten führte. Die Stechuhr als (Arbeits)Zeitobjekt trägt in sich eine ganz besondere (Kunst)Geschichte... Ich verstehe diese goldene Bodeninstallation als blendenden Wegabschnitt in einem Environment. Wie man in der Projekt Dokumentation sehr leicht erkennen kann, war für mich das visuelle Gold nicht im Vordergrund (zum Konzept, bzw. Projektdokumentation). Völlig überraschend wurde mir dafür die Goldene Ehrenmedaille verliehen.
Daher ist für mich die zweite "Holzplatten" Bodeninstallation im Kulturhof Weistrach, 1994, als die erste Goldschwelle zu sehen und auch zu begreifen. (siehe Frage 01)
 
     
  Die Jahre 1993-1997 waren sehr turbulente, produktive, spannende Jahre in meinem Werkzyklus...  
     
  Zum Sicherheitsglas (ESG)  
     
  1996 überkam mich das starke Gefühl den Bildträger "auflösen" zu müssen. Besonders die "Eisen-Gold" Phase belastete mich stark...

Ich begann die Bildträger der Bodengold Installationen erstmals zu vermischen. Eisen und Glas kamen gleichzeitig zur Verwendung. Ein willkommenes Spannungsverhältnis in den Bodeninstallationen. Ich spürte förmlich das permanente Knistern zwischen den Glas- und Eisenkanten. Kein einziges Glasobjekt ging in dieser Zeit zu Bruch!

Die, ich nenne sie jetzt einfach einmal "Goldenen Spannungsfelder" lagen in den 7 österr. AIDS Hilfezentren, den 3 OÖ Frauenhäusern und in der Auftragsarbeit-Trilogie die in NYC/Manhattan, in Freistadt und in Steyr realisiert wurde.
 
     
  Bei der Präsentation der Werke aus den sieben Österreichischen AIDS Hilfezentren im Museum Arbeitswelt Steyr, als meinen Werkbeitrag zum Projekt "Sondermüll Mensch", kam im wahrsten Sinne "der Bruch"mit dem Bildträger Eisen. Unbekannt/e zerkratze/n viele der ungeschützt präsentierten Goldobjekte.
Zitat aus der Projektdokumentation: "Meine anfängliche Erschütterung wandelte sich in die Entscheidung zukünftig aufgerichtete Goldobjekte nur noch hinter Glas zu präsentieren. Beziehungsweise noch einen Schritt weiter zugehen und die Objekte hinter ESG zu schützen und mittels Edelstahlprofil zu versiegeln." (zum Konzept)
Wahrscheinlich waren es unbedachte Schülerstreiche, so möchte ich es heute sehen...
 
  Interessant war für mich auch das Erlebnis der kriminaltechnischen Untersuchung vor Ort. Der Beamte meinte, aus seiner Sicht zu Recht, "Die Werke sind ja vorher am Boden gelegen und die Mensch darüber gegangen, können sie mir die Beschädigungen zeigen?" Es war für mich überraschend einfach die "Handspuren" von den "Wegspuren" zu unterscheiden. Zwei Welten eines Gestaltungsprozesses. So nahe und doch so fern... Das Museum Arbeitswelt fand einen freundlichen Sponsor für die Verglasung der Wandobjekte zur Aufrechterhaltung der Präsentation (Glaserei Seidl, Steyr).
 
Zukünftig keine Goldobjekte ungeschützt an der Wand zu präsentieren. Dies war ein goldener Meilenstein.
  Ab 1997, seit dem "Künstler&Kinder" Projekt mit zwei goldenen Minenfeldern im LKH Steyr, kam dann nur noch ESG zum Bodengold Einsatz. Aus diesen spannenden Projekten warten noch einige - noch nie gezeigte - Objekte auf ihre Vollendung zur finanziellen Hilfe für die beteiligten Sozialen Organisationen... Alle hinter Sicherheitsglas konserviert und in Edelstahlprofil verschweisst/gerahmt.  
  Besonders für die Kinderstation im LKH Steyr warten einige Kunstwerke auf ihre Charity Vollendung und die erstmalige Präsentation. Freue mich auf mögliche Kontaktaufnahmen...  
     

     
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  Materialien und Links:   in Arbeit  
     
  Projektdokumentation T.A. Künstlerhaus 1993  
  Projektdokumentation T.A. Aidshilfe 1996  
  Projektdokumentation T.A. Frauenhaus 1996  
     

 

(c) johannes angerbauer-goldhoff     www.social.gold