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  Danke für die ausführliche Antwort. (Anm.: zur Frage 06 - 1994 )
Warum ist es mit dem "Heissen Pflaster" nichts geworden? LG Claudia
  Gerne!
Weitere Antwort darauf, wie angekündigt, in diesem Fragenkatalog zu 1995. Ich entschuldige mich schon jetzt für meine Ausschweifungen und bedanke mich sehr für Ihre inspirierenden Fragen Frau Claudia! LG Johannes
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   Warum? Kein "Heisses Pflaster" in Steyr?   
     
  Alles hat seine richtige Zeit. Besonders in einer Kunst deren Merkmal sehr stark prozessorientiert ist...
 
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  "Heiße Heimat" lautete das Thema des Oberösterreichischen Festivals der Regionen für 1995. Im Steyrer Zeitung Artikel, vom 21. Juli 1994, sehr richtig beschrieben:
"... Gefragt ist die Auseinandersetzung mit heißer Heimat an einem passenden Ort.
Gefragt ist globales Denken und lokales handeln. Gefragt sind Wechselwirkungen zwischen regionaler und internationaler Kunst, zwischen traditioneller und zeitgenössischer Kunst."
Ich dachte, dass mein Projekt das Thema sicher erfüllen wird. Besonders auch dahingehend, dass bereits einiges an Vorarbeit von mir geleistet wurde reichte ich mein Projekt mit dem Titel "Heisses Pflaster" ein.
 
     
  Globales Denken war mit dem Bildinhalt Thema "Telekommunikation" gegeben. Lokal handeln durch die Stationierung der Bodeninstallation in Steyr. Die Wechselwirkungen waren mit dem regionalen/meinem Kunstschaffen in Steyr und durch das Begehen/Gestaltungsprozess von Menschen aus überregionalen Bereichen (Tourismus) gegeben. Traditionell vereinen sich auf den Seiten der Amtlichen Telefonbücher familiäre Generationen und Firmengeschichten. Zeitgenössisch ist die Soziale Einbindung und Intervention im Öffentlichen Raum durch meine Bodeninstallationen - so dachte ich...  
     
  Goldene Zeitverschiebung 1995/2017:  
  Heisse Heimat - Festival der Regionen 1995 - Goldene Empore 2017  
     
  Auch die Ziele des Festivals erschienen mir zur Genüge erfüllt:

1.  Kreative, unkonventionelle Auseinandersetzung mit dem vorgebenen Thema als auch dem spezifisch auszuwählenden Ort (in O.Ö.) in Form zielgerichteter, künstlerischer Projektarbeit.(...)
2.  Aufarbeitung bzw. Schaffung von lokalen oder regionalen Bezügen im Rahmen der künstlerischen Auseinandersetzung (...)
3.  Verbindung/Wechselwirkung/Einbeziehung überregionaler und internationaler Kunst (...)
4.  Verstärkte Kooperation zwischen traditionellen und modernen/zeitgenössischen Kulturformen; Aufbrechen und Durchmischen von bestehenden Publikumsstrukture (...)
 
 
  Die Dreischicht Holzplatten (717m2) waren bereits gekauft, bezahlt und gelagert. Versuchstafeln in Originalgröße, mit schwarzem Untergrund und weisser Schrift, waren mehrfach in Foto- und Siebdrucktechnik angefertigt. Die Oberflächenbeschichtung zur Rutschfestigkeit war getestet, geprüft und gegeben.  
     
  Siehe Steyrer Zeitung Artikel vom 25. Aug. 1994:  
  Kunstaktion in Steyr um ein Jahr verschoben  
  "Kult-Anschluß" ist bestens aufgehoben"  
  Kunstaktion wurde um ein Jahr verschoben   
  "Zurückgezogen ist nur aufgeschoben und damit bestens aufgehoben", schrieb der Steyrer Bildhauer Johannes Angerbauer dem Steyrer Magistrat. Die Bezirksverwaltungsbehörde hatte, nach den Querschüssen der Kaufmannnschaft und "Bedenken von politischer Seite", dem Künstler angeraten, seine für September geplante Aktion "Kult-Anschluß" zu überdenken. Angerbauer wollte zwei Wochen lang die Gehsteige auf beiden Seiten des Stadtplatzes mit Holzplatten bedecken, auf denen vergrößerte Telefonbuchseiten gedruckt sind. Als Ersatzfläche für die Aktion wurde ihm der Brucknerplatz und die Fußgängerzone Stadtplatz angeboten, was Angerbauer ablehnte.
Er will das Konzept für "Kult-Anschluß" umarbeiten und die Kunstaktion im Oktober nächsten Jahres starten, gleichzeitig mit der Aktion "Heißes Pflaster", die im Rahmen des "Festivals der Regionen" stattfindet. Bei "Heißes Pflaster" werden zweieinhalb Quadratmeter große, siebbedruckte und zur Gänze blattvergoldete Platten an mehreren Plätzen in Steyr stationiert werden.
 
     
  Nach meinem Besuch beim Festivals Koordinator Günther Stockinger - eine Originaltafel hatte ich auf der Ladefläche mit dabei - wurde mir klar, dass das Projekt für einen Festival Beitrag höchstwahrscheinlich als ungeeignet befunden werden wird. "Mein Projekt sei schon zuweit fortgeschritten" war ein Argument... Es kam das starke Gefühl auf, dass die Zeit noch immer nicht reif genug ist und zog es erneut zurück...  
  Ich beschloß, das Projekt ohne Festivalseinbindung, autonom und unabhängig, wie ursprünglich geplant, an verschiedenen Plätzen in Steyr zu realisieren. Etwa zum gleichen Zeitpunkt des Festivals. Ende September 1995.  
  Der ursprüngliche Gedanke (siehe Erstkonzept) die menschlichen Spuren des Begehungsprozesses zu vergolden wurde von mir ausgeweitet, bzw. wieder zum visuellen Erscheinungsbild der ersten Bodengold Projekte zurückgeführt. Gänzlich vergoldete Bodeninstallationen waren nun geplant.  
     
  Das Jahr 1995 entwickelte sich jedoch völlig anders als gedacht...  
     
  1993 und Anfang 1994 noch konzeptuell mit vergoldeten S/W Fotografien (Künstlerhaus) und mit vergoldeten lamininierten S/W Fotokopien (Kulturhof Weistrach) als Bodengold Bildinhalt Träger arbeitend, floß Ende 1994 die Siebdruck Technik in meinen Kunstweg ein. Mittels der Siebdrucktechnik konnten sich die Bodeninstallationen nun haltbarer vom Innenraum in den Aussenraum verlagern.
Leider litt dadurch aber auch der plakativ willkommene - dominierende - Erosionsprozess des Bild- und Goldträgers. Genau dieser scheinbare "Verfall" birgt in sich die Klarheit und Nähe zum Ursprung, zur Ressource des Goldes, der Wurzel und den Kern meiner Arbeit am Goldbegriff. Diese scheinbare "Destruktion" ist ein von mir sehr erwünschter Faktor der Visualisierung des konzeptuell inhaltlichen Spannungsverhältnis von formaler, zeitlicher und prozessbezogener Dimension.
Der menschliche Weg ist gleichzeitig ein destruktiver und schöpferischer Weg. Diese Wahrheit spiegelt sich in den Bodengold Objekten - durch Kunst in bleibende Ästhetik transformiert und konserviert - wider.
Wahre Kunst ist Spiegel der Wahrheit.
Wahrheit ist wenn der Mensch im Gold erscheint!
 
     
  Ich verkleinerte das Format der vorhandenen Dreischicht Holzplatten auf 50x50cm, bzw. vereinzelt 50x100 und 100x100cm. Die ersten drei Bodengold Projekte mit Siebdrucktechnik auf Dreischicht Holzplatten waren:  
  06.-26.10.1994  Schlossgalerie Steyr - Minenfeld #1  
  27.-30.10.1994  Int. Kunstmesse Kunst94 Zürich - Minenfeld #2  
  25.-29.01.1995  Int. Kunstmesse ArteFiera Bologna - Einzelmine  
     
  Goldenes Minenfeld Nr. 1 - Schlossgalerie Steyr 1994
Minenfeld #1, Schlossgalerie Steyr, 1994
 
     
  Dann trat erstmals St37 (Schwarzblech) in Form von Eisentafeln in meinen Kunstweg ein... Eisen auf 19mm 3-schicht Holzplatten  
  17.04.-10.05.1995 "...noch nicht mit Erde bedeckt", eine Installation in der Steyrer Rathauspassage. Die 9-teilige Bodeninstallation bestand aus 2x1m großen, in Weiss siebbedruckten und gänzlich blattvergoldeten Eisentafel.
Eingeladen einen Beitrag zum Thema "50 Jahre Ende des 2. Weltkriegs - Berginn der 2. Republik" zu leisten, realisierte ich mein erstes Projekt in Zusammenarbeit mit dem Verein "Mauthausen aktiv"( jetzt: "Mauthausen Komitee OÖ"). Die Materialwahl von Eisen lag nahe. Eisen und Gold, ein altes Spannungsverhältnis zweier Kriegselemente... Schwer wiegt die Geschichte des Goldes im Kontakt mit der Menschheit... Diese Last, diese Wahrheit, zeigte sich und hat sich in drei Triptychen manifestiert.
 
     
  1995/96 waren die bisher produktivsten Jahre in meinem künstlerischen Schaffensprozess, wie mir scheint. Bei allen Projekten war der Bildträger aus Dreischicht Holzplatten:  
     
  28.04.-28.05.1995  Kulturhof Weistrach, "Wächter 2"  - Minenfeld #3  
  03.07.-30.07.1995  Galerie Pohlhammer, Museum Arbeitswelt - M #4  
  15.08.1995 Environment, Jodschwefelbad Bad Goisern, 1. Auftragsarbeit  
  09.09.-27.09.1995  Ursulinenhof Linz, OÖ Presseclub - Minenfeld #5  
  19.10.-22.10.1995  Int. Kunstmesse Kunst95 Zürich - Minenfeld #6  
     
  Ein wesentlicher konzeptueller Teil aller Projekte war damals die dazugehörige Prozessdokumentation in Katalogform. Auch Heute noch erhältlich...  
     
  Jetzt scheint es mir aber ein bisserl zuviel der Beantwortung zu sein. Ich denke aber doch man spürt es warum sich in Steyr kein "Heisses Pflaster" zeigen wollte. Entschuldigung Frau Claudia!

...Der große "Kunstzufall" begann in meiner Kur im Jodschwefelbad Bad Goisern (Feb/März 2015) mit einem Kurkollegen aus Freistadt, der 1996 seinen 50. Geburtstag mit seiner Galerieeröffnung in New York City zelebrieren wollte... Aber die Geschichte fällt in das Jahr 1996...
 
     

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