zu 1997 Frage 01 Frage 01 / Frage 02 >     
     
  Warum haben Sie ihr Projekt auf der Empore des Design Center Linz realisiert? Ich habe 1997 die Entwicklung mitverfolgt und kann mich noch auf den geplanten Realisierungsort in der Linzer "Arkade"erinnern.
   
 index     

     
  Prozessorientierte Kunst ist für mich, wie der Begriff bereits sagt, eine schwerpunktmässige Kunstreflexion auf die Prozesse der Entwicklung zur Realisierung einer Inspiration. Allgemein bekannt ist der Spruch: "Der Weg ist das Ziel".
In meinem Kunstverständnis sehe ich den Weg als wesentlichsten Faktor eines Gesamtwerks. Es sind die Prozesse - die "Zufälle" - die daraus resultierenden Reflexionen, die das eigentliche Werk bilden. Das Endergebnis ist ein Spiegel dieses schöpferischen Prozesses.
Mein Zugang zur Prozessorientierung ist nicht zu verwechseln mit dem Begriff der "Prozeßkunst" als Untergliederung der Materialkunst. Ich sehe den Kunstweg als Gesamtorganismus. Das Werk als Organ. Die Kunst an sich als Energie- und Nahrungsspenderin. Ich lebe durch die Kunst - die Kunst als meine Lebensspenderin.
 
  Nun zur Geschichte als Antwort:  
  Als ich im Frühjahr/Sommer 1997 mit der Realisierung dieses - ein ganzes Bundesland verbindenden - Großprojekts beschäftigt war, gleichzeitig die Planung und Finanzierung des noch viel größeren Projekts zur 27. Olympiade in Sydney im Gange war, kam es zu Ungereimtheiten im Kontakt mit dem Arkade Management.
Telefonisch angekündigte Subskriptionsankäufe mittels ausgefüllten Formularen kamen nie in meinem T.A.Büro in Steyr an. Keine Schneckenpost und kein Fax, wie des öfteren angekündigt...
"Unrunde Situation" der Gedanke machte sich bei mir breit.
Nach mehrmaliger ergebnisloser Urgenz und meiner Frage ob doch sicherlich das Einkaufzentrum für so ein großes Kunstprojekt Haftpflicht versichert wäre erhielt ich die Antwort "Schausteller versichern sich bei uns immer selbst". Das unrunde Gefühl verdichtete sich. Die Infofolder zum Projekt waren bereits seitens der Arkade gedruckt...
 
  Mitte Juni fuhr ich Richtung Freistadt um mich mit meinem befreundeten Galeristen Prof. Josef "Pepi" Eidenberger zu treffen. Josef hatte mich 1996 zu einer New Yorker Gemeinschaftsausstellung eingeladen und er war auch der zündende Kunstfunke für das Olympia Projekt. Doch das ist eine andere Geschichte... Bei der Autobahn Ausfahrt (Exit 27) erfuhr ich durch einen Anruf, dass er nicht zu Hause ist und kehrte um.

Wieder auf der Stadtautobahn in Linz stach mir der Wegweiser zum "Design Center" ins Auge. Ich war noch nie im Design Center und hatte auch noch nicht viel davon gehört. Ohne nachzudenken bog ich ab und stand kurze Zeit später als einziges Auto am DCL Parkplatz.
Völlig ohne bewußtes Ziel trat ich in das beeindruckende Gebäude ein. Kein Mensch begegnete mir. Ich betrachtete überrascht die australische Erde an den Wänden. Meine Gefühle erwärmten sich bei dem Gedanken an das geplante Olympia Projekt in Sydney und den anziehenden Rottönen dieser Erde. Dann zog es mich über die Stiege in der Mitte der Eingangshalle aufwärts und ich stand erstmals auf der Empore des Design Centers.
Wie ein Blitz traf mich das innere Bild, die Vision:
Die Empore mit gänzlich goldenem Boden. Ein goldener Spiegel der das eindrucksvolle gläserne Gewölbe reflektiert...
 
  In Steyr angekommen nahm ich telefonisch Kontakt zu meinen hochgeschätzten "Lehrmeister" aus der Studienzeit an der Kunsthochschule Linz auf. Der Begriff "Design Center" war für mich im Gleichklang mit dem Namen "Kristian Fenzl". Ich erzählte Kristian von meinem Projekt und dem Besuch auf der Empore. Auf meine Frage über weitere Entwicklungsmöglichkeiten, machte er mir das Angebot den Kontakt zum Direktor des DCL, Hans Peter Mixner, herzustellen.  
  Ganz anders als dieses "unrunde Gefühl" kam mir beim darauf folgenden Telefon Erstkontakt mit Herrn Dir. Mixner, am 18. Juni 1997, und später im Design Center Linz das Gefühl ehrlicher Wertschätzung für Kunst, Vision und Idee entgegen. Ich wurde nicht als "Schausteller" gesehen. Nachdem der "Zufall" sogar die Fläche der Empore mit der vorgegebenen Fläche der Bodengoldobjekte in Deckungsgleiche brachte, war es für mich glasklar den Installationsort kurzfristig zu verlegen. Mein Büro stornierte darauf das Projekt in der Arkade Linz telefonisch. Nach Rückfragen erfolgte die schriftliche Stornierung am 1. Juli 1997.

 
  Kunstprojekt Stornierung Arkade Linz 1997  
  18. Juni 1997 - Design Center Linz                     1. Juli 1997 - Arkade Linz  
       
  Ich weiss, es gab gewichtige politische Stimmen im Hintergrund die da sagten: "Wenn jemand ein Projekt - das so weit fortgeschritten ist - so kurzfristig völlig ändert, kann es nichts sein". Diese Sichtweise war und ist für mich bedeutungslos. Ich arbeite und denke prozessorientiert. Ich habe die Empore nicht gesucht, sie hat mich gerufen/angezogen - ich durfte sie finden. Die Kunst an sich hat ihre eigenen Regeln und Prozesse - die dem Mensch an sich elementar positiv zu Gute kommen sollen.  
  Soviel ich mich erinnere beschrieb eine Kunstkritikerin das Werk von Joseph Beuys mit den Worten "Kunst ist alles was dem Mensch elementar positiv zugute kommt"... Die Quelle ist mir leider entfallen.  
  Wenn man die Fotos der goldenen Empore betrachtet wird es hoffentlich auch Zweiflern klar warum dieser Weg der einzig richtige war:

Eine hochkarätige Rauminstallation, ein goldenes Environment, noch dazu ein ganzes Bundesland - Oberösterreich - in sich vereind.

Eine Empore und ein Kunstprojekt haben sich von einander unabhängig entwickelt und auf den richtigen Zeitpunkt der Vereinigung gewartet...
 
     
In Bezug auf die Eingangs erwähnte "Prozssorientierung" bin ich dem Management der Arkade dankbar für die unrunde Projektentwicklung. Weiters danke ich der Autobahnausfahrt "Exit 27", dem "Geburtshelfer" der Goldenen Empore Prof. Kristian Fenzl wie dem Direktor des Design Centers Linz, Herrn Hans Peter Mixner, für die wunderbare Kooperation und Wertschätzung!
     
  zu 1997    
   
 index     

     
  Materialien und Links:   in Arbeit  
     
     

 

(c) johannes angerbauer-goldhoff     www.social.gold